Montag, 3. Februar 2014

Still(l)eben

Neben Impfungen, diveresen Schwangerschaftsthemen oder Genderdiskussionen gibt es noch ein großes Thema, das die mütterlichen Gemüter bisweilen stark erhitzt: Das Stillen. In Mütterforen und Gruppen wird darüber gestritten, gehetzt, es wird mit Fingern aufeinander gezeigt - und wie immer hat jede einzelne Mutter die alleinige und beste Meinung dazu. Ich möchte euch mal an meinen Stillerfahrungen teilhaben lassen. Wenn ihr mögt.

Um es vorwegzunehmen: Ich stillte beide Kinder jeweils nur maximal zwei Wochen. Danach gab es sowohl für die Maus als auch für das Mäuschen Pre Milch aus dem Fläschchen. Doch wie kam es dazu?

Als die Maus gerade geschlüpft war und wir noch erschöpft und verschwitzt im Kreisssaal entspannten, fingen die Probleme eigentlich schon an. Das winzige Baby, das laut Arzt "leicht dehydriert" war, wollte nicht recht andocken. Es fand die Brust, spielte etwas damit, aber so richtig Lust aufs Trinken hatte es nicht. Und damit begann mein Horror auch schon. Ich, total ohne Ahnung von nichts, zusammen mit einem trinkschwachen Baby in einer "stillfreundlichen" Klinik. Ich fühlte mich schrecklich. Die Belegschaft auf Station brachte mich um den Verstand. Ich legte an, es klappte nicht. Ich legte wieder und wieder an - und statt wirklicher Hilfe der Hebammen bekam ich nur Sätze wie "So werden wir Sie sicher nicht entlassen!" oder "Ich habe Sie noch kein einziges Mal stillen sehen, so wird das nichts!" zu hören. Das Baby schlief viel, zu viel, ich ließ es schlafen, statt es zu wecken. Dachte, wenn es Hunger hat, wird es schon selbst aufwachen. Dafür bekam ich Ärger. Ich lief zwei Nächte lang mit einem brüllenden Neugeborenen die Gänge der Klinik auf und ab, die Hebammen hetzten vorbei und niemand half uns. Ich saß stundenlang im Stillraum, legte immer wieder an und nichts klappte. Mit taten schon nach kurzer Zeit die Brustwarzen so weh, dass ich nur heulen konnte. Ich wollte einfach nur raus da.

Als ich dann zu Hause war und meine Hebamme mich betreute, beruhigte ich mich etwas. Zusammen versuchten wir alles, was möglich war. Verschiedene Anlegevarianten und Lagewechsel, ich bekam Mittelchen und Dingelchen für meine wunden Brustwarzen und zur Milchanregung - und als der Milcheinschuss da war, dachte ich, JETZT klappt es. Ich stillte permanent. Stunden am Stück. Die Maus saugte nicht richtig, nahm die Brustwarze nicht richtig in den Mund. Ich blutete, weinte - und bekam mit der Zeit regelrechte Angstzustände vor dem Moment, in dem das Baby aufwachen würde. Und es wachte auf, oft. Und es weinte. Fast nur. Da saß ich also, mit blutenden Brustwarzen vom Dauerstillen und einem Schreibaby. Mir ging es richtig, richtig schlecht. Ich bekam Depressionen und wollte gar nichts mehr. Dann stellten wir dank meiner Hebamme fest, dass nach einer Stunde des Stillens aus beiden Seiten nicht mal die Hälfte der Menge Milch kam, wie eine Seite hätte leisten müssen zu diesem Zeitpunkt. Und das war der Moment, an dem wir beschlossen, die Flasche zu geben. Und das erste Mal trank die Maus. Sie leerte ein ganzes Fläschchen (mit der für sie passenden Menge natürlich) und dann schlief sie 8 Stunden am Stück. Und sie weinte nicht mehr. Da traf mich die schreckliche Erkenntnis, die mir heute noch Tränen in die Augen treibt: Mein Kind hatte tagelang vor Hunger geweint. Ich hatte kein Schreikind, ich hatte ein kleines, hilfloses Baby hungern lassen. Und warum? Weil alles so aussah, als hätte ich genug Milch. Aber dem war nicht so.

Bevor das Mäuschen zur Welt kam, informierte ich mich eingehend über das Thema Stillen. Ich wollte es diesmal richtig machen, wollte alles versuchen, dass es klappt. Ich las Bücher, redete viel mit meiner Hebamme darüber, die mir dieses Mal einen schöneren Start verschaffen wollte. Ich war mir sicher, dass es diesmal klappen würde. Doch als das Mäuschen dann auf der Welt war - ein kräftiges, kleines Mädchen, das schon im Kreisssaal gierig trank - ging der Spuk von vorne los. Ich stillte stundenlang, die Brustwarzen bluteten wieder, ich weinte und hatte Schmerzen. Der Rekord lag bei vier Stunden am Stück. Ich saß im Bett bei 40°C Außentemperatur, an meiner Brust das Mäuschen und neben mir die Maus, mit der ich mir einen Zeichentrickfilm ansah. Und ich wechselte das Mäuschen vier lange Stunden lang von einer Brust zur anderen. Mir war schon alles egal geworden, ich spürte schon keine Schmerzen mehr, ich wollte nur, dass dieses Kind aufhörte zu heulen! Meine Hebamme musste zu diesem Zeitpunkt leider weg und ich bekam eine Urlaubsvertretung, die auf ihre Art und Weise versuchte zu retten, was ihrer Meinung nach noch zu retten sei. Und als wir alles versucht hatten, blieb mir nur noch die Wahl zwischen medikamentösen Versuchen - oder dem Fläschchen. Und ich wählte das Fläschen. Und die Hebamme war nicht begeistert. Aber mir war es egal. Und wieder trank das Kind sich satt. Und wieder wurde mir klar, dass ich ein hungriges Baby gehabt hatte. War ich denn blöd? Hatten wir alle Tomaten auf den Augen gehabt? Warum war mir das zum zweiten Mal passiert?

Und ich kann euch sagen, warum ich das Offensichtliche zum zweiten Mal nicht gesehen hatte: Weil man zum Stillen gezwungen wird. Und ja, ihr könnt jetzt alle auf mir herumhacken und mit den Köpfen schütteln. Es ist mir mittlerweile egal geworden. Mit der Maus musste ich mich noch ständig rechtfertigen in dieser Ökostadt, in der nichts anderes gilt als Tragetuch und Dauer- und Langzeitstillen. Niemanden interessierte es wirklich, warum mein Kind das Fläschchen bekam. Alle waren nur entsetzt, DASS es so war. Das war der Grund, warum ich auch beim zweiten Mal so krampfhaft (vielleicht ZU krampfhaft) versuchte, es zu schaffen - ohne Rücksicht auf Verluste.

Aber JETZT kann ich nur sagen: Es geht verdammt nochmal niemanden etwas an. Ich hasste das Stillen. Es tat weh, es machte mir Angst und es machte mich und meine Kinder unglücklich. Ich saß da, mit einer Abpumpmaschine auf beiden Brüsten und fühlte mich erniedrigt. Ich lief herum mit wunden Brustwarzen und fragte mich, was ich falsch gemacht hatte, wie ich so eine schlechte Mutter sein konnte, die es nicht einmal schaffte, ihre Kinder zu ernähren. Aber HEUTE ärgert mich das alles dermaßen. Ja, ich hasste das Stillen. Ich hasste den Gedanken daran, rund um die Uhr abrufbar sein zu müssen. Ich hasste diese Abhängigkeit. Ich hasste diesen Druck. Ich hasste es, in der Öffentlichkeit Stillmöglichkeiten finden zu müssen, ich hasste die Stilleilagen, die Flecken auf den Shirts, die Still-BHs. Ich hasste das alles.
Vielleicht hatte ich wirklich nicht genug Milch. Vielleicht hat auch mein Unterbewusstsein diesen Hass gespürt und daher die Milchproduktion eingestellt. Vielleicht war ich selbst daran Schuld gewesen.
Ich werde mir nur nie mehr von jemandem erzählen lassen, dass ich nicht genug probiert hätte, dass ich meinen Kindern das Beste vorenthalten hätte, was die Natur zu bieten hat oder ich eine schlechte Mutter war/bin, weil ich diese ganze Stillerei nicht ertragen konnte und wollte.
Ich hatte nach jeder Geburt ganz schlimme Wochen mit vielen Tränen, Schmerzen und Selbstvorwürfen. Ich hatte Angst vor dem Moment, in dem mein eigenes Baby aufwachen würde. Mir wurde zweimal ein Start ins Leben mit meinem Baby verwehrt, wie ihn andere Mütter haben - und ich finde dieses ganze Von-Oben-Herab-Geheuchel einfach nur zum Kotzen.

An alle seienden und werdenden Mamas da draußen: Stillen ist wichtig und toll und wahrscheinlich das Beste, was ihr euren Babys bieten könnt - aber: Ihr seid auch noch da. Macht euch nicht verrückt, lasst euch nicht vom Stillwahnsinn krank machen. Wenn es klappt, ist es toll. Wenn nicht, dann nicht. Findet euren eigenen Weg mit euren eigenen Babys und lasst euch nicht zu Dingen zwingen, die sich für euch falsch anfühlen. Denn sicher ist Muttermilch gut und wichtig für ein Baby, aber nicht um jeden Preis. Ein Baby braucht zuallererst eine Mama, der es gut geht und die sich um es kümmern kann. Und wer euch dann egoistisch oder nicht belastungsfähig oder gar eine schlechte Mutter nennt, der sollte euch einfach nur da vorbeigehen, wo die Sonne niemals hinscheint...

Kommentare :

  1. Hey, toller Beitrag mal wieder... erinnert mich an mich - denn bei mir war es von Anfang an auch der HORROR gewesen zu stillen! Ich hab die ganze SSW lang Angst davor gehabt und fand's auch irgendwie komisch :) Dann hatte ich ein Piranhakind und meine Brustwarzen sind (echt jetzt!) total zerkaut gewesen, sahen nicht mal mehr aus wie Warzen... das Kind hat Blutmilch getrunken und wollte ewig nibbeln.

    Flasche wollte sie aber nicht und ich als alte Masochistin hab weitergemacht... mit Stillhütchen, Rotlicht, Salbe und Dauergeheule meinerseits. Irgendwann wurde es besser... und jetzt stille ich immernoch, es wird sogar aufs Langzeitstillen hinauslaufen. Bin ich deshalb was besseres? Nö. Würd ich auch nie denken... ich versteh jede Mutter die da keinen Bock drauf hat denn es ist nervig und man fühlt sich teilweise wie ein Objekt aber es hat natürlich auch schöne Seiten (die ich erst so ab nem halben Jahr wirklich bemerken konnte).

    Krasse Story - und du wurdest blöd angemacht daß du nicht stillst? Bei mir war es andersrum "Ja hör doch auf" und später "Häää stillst du etwa immernoch?!?" Mittlerweile erzähl ich das keinem mehr weil gleich jeder denkt ich bin pervers... Sachen gibt's!!

    Liebe Grüße, Janina

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    1. Hey, Hut ab, dass du es durchgezogen hast... Das hätte ich nie im Leben geschafft. Und die Kinder auch nicht :D Ich muss aber eben auch dazu sagen, dass ich wirklich keine Lust hatte, Nachts als Schnullerersatz herzuhalten und dergleichen. Und darauf läuft es ja hinaus! Das habe ich selbst in der kurzen Zeit gemerkt, in der ich stillte. Das wäre alles nichts für mich gewesen...

      Ja, ich wurde blöd angemacht. In den ganzen dämlichen Babykursen, in die man das erste Baby noch so schleppt, weil man denkt, man müsste es... Das war die Hölle hier, sag ich dir.

      Aber wie du sagst, jeder, wie er möchte und vor allem, wie er sich damit wohlfühlt! Ätzend, was es alles gibt und was man sich anhören muss. Das gute ist nur, mittlerweile weiß man, dass man es eh nie richtig macht, WIE man es macht ;) Beruhigend irgendwie, die Erkenntnis, oder?

      Liebste Grüße!!!

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  2. Danke für Deinen ehrlichen, klasse Beitrag - Du sprichst mir aus dem Herzen! Wen's interessiert: Hier noch der Link zu meinem Post zum gleichen Thema: http://mama-on-the-rocks.blogspot.ch/2012/06/stilldepression.html

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    1. Liebe Mama OTR, "witzig", was wir für Parallelen haben, wir beiden. Bin gespannt, was da noch kommt ;)

      Liebste Grüße!

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  3. hi bella mia, du hast so recht. jeder wie er sich gut fühlt. ich hasse diese frauen...oh mann. wo bitte bleibt die gelassenheit und die freude an auch noch anderen dingen im leben?? ich wurde auch nicht gestillt...liebe meine mum trotzdem!!!! und: meine oma hat 5 kinder, konnte keines stillen... meeeeeeeeiiin gott...so what?!!! beschäftigt euch mit anderen sachen als dem stillen. die armen kinder...werden ja jetzt schon kirre gemacht.
    bussi nach tü

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    1. Hey Aldes :-* Ich weiß auch nicht, warum jede Mutter immer meint, sich überall so brutal einmischen zu müssen - und sich dann nichtmal wirklich für die Wahrheit zu interessierenm, die ich nebenbei bemerkt aber vielleicht auch nicht jedem auf die Nase gebunden hätte... Naja. <3 Bussi zurück!

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  4. Hallo Grummelmama,
    bei mir war es ähnlich wie bei dir. Ich hatte ein schreiendes (weil hungerndes) Kind zu Hause und ich stresste mich zusätzlich noch mit dem Stillen. Nachdem ich nach drei Wochen auf die Flasche umstieg, hatte ich ein ganz entspanntes Kind zu Hause und ich konnte die Zeit mit meinem Baby endlich genießen.
    Eine Mama aus meinem Geburtsvorbereitungskurs quälte sich und ihr Baby drei (!!!) Monate. Als ich ihr den Tipp mit der Flasche gab, raunte sie mich nur an, dass Muttermilch das Beste für ihr Kind sei und ihr Kind aufgrund ihrer eigenen Disziplinlosigkeit nicht auf die Muttermilch verzichten soll. Still dachte ich nur "viel Spaß dabei" und erfreute mich an meinem in meinem Arm friedlich schlummernden Kind. Die Mama hatte dann letztendlich doch aufgegeben.

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    1. Hey Wickeltischakrobatik!
      Drei Monate zog sie das durch? Oh Mann... Aber ich habe von vielen Frauen gehört, die einem genau zu sowas raten! Durchhalten, es sei normal, dass die Kinder zu Anfang nicht genug bekommen, das pendelt sich ein... Schreien lassen darf man nicht, aber hungern lassen ist ok? Ich verstehe manchmal die Welt nicht mehr... Gut gemacht, aufs Herz gehört. Fertig!

      Liebste Grüße!!

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  5. Danke, danke, danke! Danke, dass du sagst, dass jede Mutter auf sich und ihr Kind hören muss und einen eigenen Weg finden muss! (Das gilt auch für viele andere Themen rund ums Baby!).
    Als meine Maus 4 Wochen alt war, meinte der Kinderarzt, sie sei etwas dünn und ich sollte über das Zufüttern nachdenken, aber eigentlich klappt alles ganz gut und ich habe mich irgendwie innerlich gegen das Fläschchen gesträubt, meine Hebamme hat mich unterstützt. Um den 3. Monat herum hat sie nach dem Stillen immer furchtbar geschrien, aber sich relativ zügig beruhigt. Kurz darauf meinte der Kinderarzt, dass ihr Gewicht viel zu gering sei und beim Stillen auch nicht die benötigte Menge bekommt. Nur einen Tag vorher hatte ich noch zum Papa gesagt: "wenn es zu wenig ist, bekommt sie die Flasche - basta!" Ich habe sofort Flaschen und PRE-Nahrung gekauft und hatte ein zufriedenes Kind. Stillen und Flasche gleichzeitig hat nicht lange funktioniert: die Maus wollte immer mehr die Flasche und hat sich innerhalb von 4 Wochen selbst abgestillt! Erst hatte ich ein schlechtes Gewissen (hätte ich sie mehr zur Brust "zwingen" sollen?), aber dann fand ich es einfach göttlich, wieder richtige BHs anzuziehen!!! =) Ich denke, ich war einfach unbewusst bereit dieses Kapitel zu beenden und meine Maus hat gerne mitgemacht.
    Für mich war von Anfang klar, dass ich stillen wollte und hätte nie gedacht, dass es dann doch so schnell vorbei wäre. Kinder spüren die innere Einstellung der Mutter zu diesem Thema und ich hatte dann schon bald ein komisches Gefühl dabei (Nahrungsaufnahme ok, Schnullerersatz auf zwei Beinen? No Way!) und hatte nichts dagegen, dass mein Körper nun wieder mir gehört.
    Also nochmal danke für das Teilen deiner Gedanken zu diesem Thema!

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    1. Liebe Antje,

      du hast so recht. Dieses "Auf sich und das Kind hören" gilt für alle Bereiche in der Erziehung... Warum fällt einem das nur so schwer? Ich denke, wir haben irgendwann leider verlernt, auf unsere Instinkte zu hören, was sehr schade ist. Aber manchmal, still und heimlich, werden sie doch wieder etwas lauter und dann muss man die Gunst der Stunde nutzen! Und ich denke, du hast recht damit, dass auch die Kinder die Einstellung zu bestimmten Themen spüren. Schließlich lebt man die ersten Monate doch recht symbiotisch mit den Kleinen!

      Liebste Grüße und noch eine schöne Woche :o)

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  6. Liebe Grummelmama:
    DANKE für diesen Bericht!! Du sprichst mir aus der Seele! Was für ein grosses moralisches Theater ums Stillen gemacht wird ist ja schlimm!
    Ich bin seit ein paar Monaten Mama von Zwillingen. Ich wollte von Anfang an versuchen zu stillen. Die Kleinen kamen 5 Wochen zu früh und waren 4 Wochen im Krankenhaus. Diese Zeit habe ich fleissig alle 3-4 Stunden abgepumpt. Dann zuhause habe ich gestillt und Muttermilch zugefüttert da sie noch zu schwach waren alles an der Brust zu trinken. Mit der Zeit hat es mit der einen Tochter plötzlich geklappt, die andere bekam immer mehr Mühe mit der Umstellung von Brust auf Flasche (Saugverwirrung). So habe ich die eine Tochter voll gestillt und nach dem Stillen jeweils für die Andere abgepumpt und dies dann zugefüttert mit der Flasche. Dies habe ich fast 3 Monate gemacht und danach das Pumpen aufgehört da ich NUR noch am pumpen oder stillen war. Es tat mir leid nicht beiden Mädels gleichlang Muttermilch zu geben aber bei regulären Geschwistern würde man sich auch nicht so viele Gedanken machen, denke ich.
    Jetzt bin ich langsam daran die zweite Tochter abzustillen da ich wieder arbeiten werde und in der Schweiz ja nur 14 Wochen (!!) Mutterschaftsurlaub ist.
    Ich finde ich habe eine Riesenleistung erbracht und bin stolz darauf. Dies wird aber nicht von allen auch gewürdigt.
    Ich habe unglaublich viele dumme Fragen und Reaktionen zum Stillen erlebt. Irgendwie ist es sogar als Zwillingsmutter "Pflicht"mindestens 6 Monate zu stillen um eine gute Mutter zu sein. Da konnte ich von durchwachten Nächten erzählen, alle waren sehr fürsorglich und sagten ich soll mir Sorge tragen, aber im gleichen Atemzug wird bedauert dass ich aufgehört habe abzupumpen für Tochter Nummer 2, da Muttermilch ja soooo wichtig ist!! (Danke für den Hinweis, sonst hätte ich mir die Reisenmühe ja nicht gemacht!!!)
    Ich weiss nicht ob sich jemand von denen vorstellen kann wie man sich als "Milchkuh" so fühlt...
    Meist ist es nicht mal direkte Kritik sondern so unterschwellig und moralgeschwängert! Keine Ahnung woher der Stilldruck kommt, jeder soll doch so wie er kann und will!!
    Ich habe schon in der Schwangerschaft gemerkt dass ich mir ein sehr dickes Fell zulegen muss da bei Kindern ja jeder meint mitreden zu können/dürfen!
    Aber ich finde es immer wieder anstrengend die hohen Erwartungen der Aussenwelt bezüglich der Kinder abzuwehren.
    Manchmal habe ich sowieso das Gefühl dass wir Frauen uns gegenseitig bekämpfen, da weiss es immer eine besser und macht gleich allen ein schlechtes Gewissen die anders denken. Sei es arbeiten oder zuhause bleiben/Stillen oder zufüttern/ Familienbett oder Kinderzimmer/...
    Wir sollten zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen!
    So jetzt bin ich ein bisschen abgeschweift...danke nochmals für deinen Artikel, ich bin froh dass es auch vernünftige, tolle Mamis gibt welche trotzdem noch Frau bleiben!!

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    1. Liebe Kessie,

      du HAST eine Riesenleistung erbracht! Meinen größten Respekt und Hut ab vor dir! Wie kann man dir noch ernsthaft blöde Sprüche und Kommentare drücken? Wenn jemand alles versucht hat, dann du! Ich hätte das nicht mal eine Wochen durchgehalten mit Zweien! Kannst wirklich verdammt stolz auf dich sein!

      Und du hast recht, es ist sehr schade, dass dieser Kampf permanent da ist. Jede kann alles besser, weiß alles besser, macht alles besser. Dabei ist jede Frau anders, will dabei aber doch genau dasselbe wie alle anderen auch: das Beste für ihr Baby...

      Ganz liebe Grüße!!

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  7. Meine Güte, was für ein Drama... Ein bisschen macht mir dein Bericht Angst, denn mit solchem Druck hätte ich nicht gerechnet. Ja, ich bin auch der Meinung, dass Muttermilch besser ist als Flaschennahrung, aber am wichtigsten ist doch immer noch eine entspannte Mutter und ein zufriedenes Kind! Ich habe fest vor, es mit Stillen zu versuchen, aber wenn es derart in Stress für beide ausartet, dann gibt es eben Flasche. Es gab schon immer Mütter und Kinder, bei denen Stillen aus verschiedensten Gründen nicht wie geplant funktioniert hat, das ist völlig normal und ganz sicher kein Grund, die Moralkeule zu schwingen.

    LG, Julia

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    1. Liebe Julia,
      ich habe mir schon überlegt, ob mein Bericht werdende Mütter vielleicht abschrecken oder ängstigen würde. Aber ich habe mich doch dafür entschieden, ihn zu veröffentlichen. Man kann nämlich auch etwas aus all dem lernen, wie ich hoffe. Du hast eine gute Einstellung zu dem Thema. Bewahre sie dir! Du wirst das schon machen :o)

      Alles Gute dir!!

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  8. Gänsehaut und Tränen in den Augen!

    Oh man...das war ja zu 90 % meine Geschichte :( Ich hasste das Stillen damals auch so sehr.
    So viel geweint hatte ich, und ich hatte genau wie du so panische Angst davor das mein Baby wieder wach wird und ich stillen muss...
    In meinem "stillfreundlichen" Krankenhaus hat mir auch keiner geholfen. Als ich voller Verzweiflung ständig nach Hilfe gerufen habe (hatte zu meinem Glück noch einen Kaiserschnitt), da meinten die Schwestern nur "Ja wenn ihr Kind schreit müssen sie weiter stillen"...das ich geweint und geschriehen habe dabei war egal...
    Ich habe nur schreckliche Gedanken an die erste Zeit, und ärger mich am meisten, dass ich mein Kind irgendwie verpasst habe...und mir auch so lange Vorwürfe gemacht habe das es nicht geklappt hat...ständig fragen alle und ich habe mich so geschämt zu sagen das ich nicht mehr stille..
    Klar, bei den vielen stillenden Müttern bei denen das ja so toll ist und sie so eine tolle Beziehung zu ihrem Kind haben, fühlt man sich ja auch schlecht.
    Ich hätte auch so gerne solche Erfahrungen gemacht, aber leider war es nicht so..im Endeffekt denk ich wie du jetzt (auch wenn es mir manchmal noch schwer fällt), wie konnte ich mein Kind so hungern lassen? Alle sagen immer das was man hat das reicht...aber das es oft nicht so ist sagt einem keiner...und man verzweifelt..

    Naja...ich wollte eigentlich nur sagen das ich deinen Artikel sehr gut finde und er mir zeigt das ich nicht allein bin und es auch ok ist wie es gelaufen ist, denn irgendwie hat es immernoch in mir geschlummert...das ich denke deswegen eine schlechte Mutter zu sein..
    Also danke für deine Offenheit :)

    Liebe Grüße
    Susanne

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    1. Liebe Susanne,
      es tut mir echt leid, dass du den ganzen Mist auch durchmachen musstest. Und auch finde das schlimmste, dass man die erste Zeit verpasst hat. Die berühmte "Kennenlernzeit", in der man zwar müde und gestresst ist, aber glücklich mit seinem Baby sein darf. Das ist uns irgendwie verwehrt geblieben. Aber wir können das nicht mehr rückgängig machen und was zählt, ist ja auch das Jetzt, und nicht die ganzen Frauen, die einem sogar noch im Nachhinein erklären wollen, was man alles falsch gemacht hat... Was hilft es, über verschüttete (Mutter-)Milch zu klagen? ;)

      Liebste Grüße!!

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  9. Ganz, ganz schrecklich. Da kommt so einiges wieder bei mir hoch. Anfangs hat es gar nicht geklappt. Aber die Krankenschwestern und Hebammen in der Klinik haben sich ganz toll gekümmert und sich unglaublich viel Zeit genommen für mich und meine Unsicherheiten. Aber da war einfach nicht und nie genug drin. Der Käfer nahm nicht zu und weinte, weinte, weinte... was haben wir für ein Theater gemacht. Meine Hebamme gab mir die Aufgabe, vor und nach jedem Stillen zu wiegen. Ich war nur noch am rumrennen. Am aus- und anziehen, wiegen und ANDAUERND hing das Baby an meiner Brust. Ich war komplett am Arsch, fix und fertig mit den Nerven und beschloss dann, erst einmal nur am Abend ein Fläschchen zu machen. Das sättigte wohl auch für ein paar Stunden. Und mein Mädchen nahm auch zu. Endlich. Aber geweint hat sie trotzdem oft. Wahrscheinlich echt aus Hunger. Obwohl sie ja wirklich oft an der Brust hing. Das kam mir jetzt so erst.... :-/

    Ich wollte stillen. Mir hat da keiner Vorwürfe oder so gemacht. Das kam von mir aus und wurde auch langsam auch eine schöne Situation. Ich hab es dann geliebt. Aber die ersten Wochen und gar Monate waren schrecklich für mich. Nur geheult und so weiter... Vielleicht hätte ich jemanden wie dich gebraucht, der mal Klartext redet. Sollte es ein zweites KInd geben, werde ich so eine Aktion nicht mehr wiederholen. Niemals. Dem Baby geht es satt sicherlich besser und mir ohne Stress eh. Deinen Mädels geht's ja auch gut heute, gell!?

    Jeder sollte andere Ansichten und Lebensweisen akzeptieren und nicht Druck ausüben... nicht seinen Lebensstil und seine Ansichten anderen überstülpen und mit dem erhobenen Zeigefinger Menschen verunsichern. Ich hasse das.

    Gut, dass du dir treu geblieben bist und deine Entscheidung getroffen hast! Und ich finde es klasse, dass es solche Artikel für Frauen gibt, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind und es allen anderen recht machen wollen. Sieht man ja an den Kommentaren. :)

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Liebste Tanja <3
      Diese ganze Stillerei ist eben wirklich nicht so einfach, wie man vorher denkt. Ich dachte immer, das kann jeder, das ist so von der Natur angelegt und dann geht das auch. Pustekuchen. Bekäme ich noch ein drittes Kind, würde ich die erste Milch vor dem Einschuss geben und dann abstillen. Fertig. Ich ärgere mich ja unfassbar, dass ich den gleichen Fehler sogar zweimal gemacht habe - aber da dachte ich eben noch, beim ersten Mal hätte ich einfach zu wenig Erfahrung gehabt. Naja. Hilft ja nix.

      Ich hasse es auch, wenn man Menschen, denen es sowieso schon nicht gut geht in dem Moment, in der Art und Weise gegenübertreten muss... Aber so sind se, die Mütter ;)

      Dir alles Liebe!!

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  10. Ich unterschreibe das, was Du schreibst, zu 100%. Ich hatte Stillprobleme (anderer Art, aber nicht minder belastend) und war froh, dass eine Alternative zur Hand war, als ich eine Alternative wollte. Was nicht gut für die Mutter ist, ist auch nichts gut fürs Baby, davon bin ich überzeugt. Das Märtyrerdenken von Müttern, die gemäß dem Credo "Aber es ist das Beste fürs Kind" trotz größter Erschöpfung am Stillen festhalten, kann ich nicht verstehen. Viele Grüße: Anne von www.mamatanzt.wordpress.com

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    1. Liebe Anne!
      Märtyrerdenken, das ist wohl das richtige Wort... Ich denke auch, das zum "Besten fürs Kind" mehr gehört. Das Gesamtpaket muss stimmen. Wir können ja heute wirklich froh sein, so tolle Alternativen zu haben. Ist ja auch nicht selbstverständlich. Egal, ob Brust oder Flasche - Hauptsache nicht zu viele Eulen :-P :D

      Liebste Grüße! Ich mag deinen Blog! Den blogrolle ich gleich mal :)

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    2. Da freu ich mich! Und tu' es Dir nachher gleich! Grüße!

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  11. Ich bin da bei leben und leben lassen. Ich wollte unbedingt stillen und habe mich 6 Wochen alle 3 stunden (auch nachts!) mit der Pumpe abgerackert, bis wir den Absprung geschafft haben. Ich habe die Fläschchen gehasst, den Vaporisator und das ganze drumrum.

    Jede Frau muss sagen dürfen, dass sie nicht stillen WILL. Das ist ok! Denn lieber eine glückliche Fläschchenmama, als eine unglückliche Stillmama.

    Was ich nur immer ätzend finde ist dieses: Ich wollte ja stillen, aber die Milch war plötzlich weg/war nicht genug/Kind wurde nicht satt. Das ist wirklich nur sehr selten der Fall, wenn man wirklich nach Bedarf stillt und oft Folge eines fehlerhaften Stillmanagements. Man muss 100% dahinter stehen, sonst ist die Milch wirklich weg, der Körper regelt das tatsächlich.
    Und dann gilt wieder das obige: er nicht will, sollte das auch einfach so sagen.

    Die schauergeschichten von wegen zu wenig Milch/nicht satt etc, verunsichern Frauen wie mich nämlich sehrl Zum Glück hatte ich eine sehr stillerfahrene Hebamme, die mir meine Unsicherheit nehmen konnte. Das Glück haben nur nicht alle.

    Liebe Grüße! :)

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    1. Hach, nach nochmaligem Durchlesen klingt das jetzt irgendwie anklagend. Das war nicht meine Absicht.
      Eigentlich wollte ich nur sagen, dass jede Frau selbst entscheiden soll, ob sie stillt oder PRE füttern möchte.

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